Die Ganterbrücke

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Die 1980 vollendete Ganterbrücke liegt an der historisch bedeutsamen Simplonstrasse. Mit einem S-förmigen Grundriss und einem Längsgefälle von ca. 5% überquert die 10 m breite und 678 m lange Spannbetonbrücke das tief eingeschnittene Gantertal in einer Höhe von ca. 150 m. Die mittlere Neigung der nördlichen, schlecht zugänglichen und felsigen Talseite beträgt etwa 45°. Der südliche Hang ist bedeutend flacher, weist aber uneinheitliche Kriecherscheinungen auf. Um die Kriechbewegungen zu vermindern und die Stabilität des Hanges zu verbessern, wurde durch Quellfassungen und mittels eines Netzes von Drainagebohrungen eine umfangreiche Oberflächen- und Tiefenentwässerung vorgenommen.

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Die schwierigen geotechnischen und topographischen Gegebenheiten bedingten die Anordnung möglichst weniger Fundamente, was zu grossen Spannweiten führte. Die Hauptöffnung mit einer Spannweite von 174 m wurde so gewählt, dass sie genau in der Mitte der Zwischengeraden der S-Kurve liegt.

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Der Brückenüberbau wurde als fugenlos durchlaufendes Rahmensystem konzipiert. Währenddem die Pfeiler S1-S3 auf der nördlichen Talseite mit den Fundamenten biegesteif verbunden sind, mussten die Pfeilerfüsse S4-S7 auf der Fundation im Kriechhang verschieblich bzw. nachstellbar gelagert werden.

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Die hohe Windbeanspruchung erforderte einen derart breiten Querschnitt der Pfeiler, dass sich die Flansche neben dem Fahrbahnträger hochziehen liessen, um als Pylone für die Schrägabspannung ausgebildet zu werden.

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Das markante Brückenbauwerk verbindet Formgebung und statische Wirkungsweise in einer eigenwilligen, unverwechselbaren Art. Der Kraftfluss wird konsequent visualisiert. Die stark zeichnenden, neben dem Träger hochgeführten und als Pylone dienenden Pfeilerflansche, die vorgespannten Zugscheiben und der schlanke, im Grundriss doppeltgekrümmte Fahrbahnträger mit seiner variablen Querschnittshöhe sind statisch-konstruktiv bedingte, formal gekonnt gestaltete Elemente einer klar konzipierten Tragwerksarchitektur.

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Die Ganterbrücke vermittelt dem Betrachter in technischer und gestalterischer Hinsicht äusserst anregende Einsichten. Das dominante, durch seine Skulpturhaftigkeit faszinierende Bauwerk gilt zurecht als grosses Werk der Ingenieurbaukunst.

Die Bauausführung für Fundationen, Pfeiler und Überbauten war zeitlich gestaffelt. Der bis auf kurze Randbereiche im Freivorbauverfahren erstellte Überbau wuchs von beiden Widerlagern her kontinuierlich gegen den Fugenschluss in der Mitte der Hauptspannweite hin.

 

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Im Bereich der grossen Spannweiten wurden vom erhöhten Pfeilerkopf ausgehende Schrägabspannungen angebracht. Weil die Seitenfelder gekrümmt sind, mussten die Abspannungen mittels der Krümmung angepassten Betongurten umhüllt werden. Die Ausbildung des Trägerquerschnittes als einzelliger Hohlkasten ohne seitliche Konsolen ermöglichte eine direkte Verankerung der Abspannkabel in den Trägerstegen.

Entwurf und Projektexperte: Prof. Dr. C. Menn, ETH-Zürich

Vorprojekt Prof. Dr. C. Menn, ETH-Zürich/H. Rigendinger, Chur

Ausführungsprojekt:

Ingenieurgemeinschaft Ganterbrücke:

Schneller-Schmidhalter-Ritz., Brig

Blötzer+Pfammatter, Visp

H. Rigendinger und W. Maag, Chur

Quelle: Katalog zur Ausstellung " Christian Menn - Brückenbauer ", Institut für Baustatik und Konstruktion der ETH Zürich, Gesellschaft für Ingenieurbaukunst, Band 3

 
 
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